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Dieser Eintrag stammt von Friedrich Lennart Mau (*1991) |
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Ergebnisse eines Interviews mit Frau Beate Stratemann (*1934) Ich, Beate Stratemann geb. Bohnert bin am 17. Juni 1934 in Köln-Bickendorf geboren. Meine Eltern, beide noch recht jung, wohnten damals in Köln-Riehl, Duisburgerstr. 14. Meine ältere Schwester und ich haben den Krieg bewusst miterlebt, so wie er in den Großstädten stattgefunden hat. Unsere beiden jüngeren Schwestern waren wohl noch viel zu klein, um sich an alles zu erinnern. Meine Großmutter väterlicherseits wohnte in Köln Bickendorf in einem Eigenheim und dort habe ich den 1. September 1939 miterlebt. Ich erinnere mich noch ganz genau, dass meine Großmutter, eine echte Kölnerin, zur Nachbarin ging und aufgeregt sagte: „Frau Schmitz, wir haben Krieg!!“ Damals sagte mir das nichts, aber recht bald begriff ich, was los war. Mein Vater war Optiker, jedoch zurzeit arbeitslos wie so viele Menschen damals. Er meldete sich freiwillig als Berufssoldat bei der Wehrmacht. Dadurch hatten meine Eltern dann auch einige Vergünstigungen. Es gab für junge Paare das sogenannte Ehestandsdarlehen. Bei jedem neu geborenen Kind wurden die zurückzuzahlenden Schulden weniger. In den ersten zwei Kriegsjahren gab es kaum
Bombenangriffe, aber es hatte sich vieles
verändert. Alle Fenster mussten am Abend
verdunkelt werden, es brannten keine Laternen
mehr. Ein Luftschutzmann kontrollierte am Abend
die Straßen und schellte dort an, wo noch ein
wenig Licht nach draußen kam. In der Schule gab
es ein neues Fach "Luftschutzalarm". Wir mussten
beim Ertönen der Sirenen in den Keller flüchten,
die Gasmaske aufsetzen und üben, durch das
Brandloch in der Mauer von einem Keller in den
anderen zu gelangen, bis wir die Flucht nach
draußen geschafft hatten. Zuerst war es lustig,
später nicht mehr! Auf dem Weg zur Schule musste
ich auch die Straßenbahn benutzen, gab es
unterwegs Fliegeralarm, mussten wir schnell
versuchen einen nächstgelegenen Rohrbunker zu
erreichen. Diese Bunker waren sehr eng. Am
Eingang standen zwei Personen, die mit einer
Handpumpe für die Luftzufuhr sorgten. Erreichten
wir den Rohrbunker nicht rechtzeitig, so war es
auch erlaubt, an jedem Haus zu läuten, um im
Keller Schutz zu finden. Die Bombenangriffe
nahmen jetzt zu. So mussten wir täglich um 17.00
Uhr zu Bett. Im Flur stand von jedem Kind ein
Köfferchen, die Puppe obendrauf und die
Reisetasche unserer Mutter. Um 20 Uhr gab es
regelmäßig den sogenannten Voralarm. Dann
mussten wir aufstehen, uns anziehen und in den
Keller gehen. Da gab es dann auch schon den
Akutalarm, also waren Bomber über unserer Stadt.
Nur mit einem Pappschild um den Hals traten wir
unsere beschwerliche Reise nach Graz an.
Begleitet von DRK-Schwestern fuhren wir los. Wir
winkten und weinten und unsere Mutter ebenfalls.
Mit Singen von Hitlerliedern wurden wir bei
Laune gehalten. Der Zug fuhr langsam. In München
hieß es auf einmal für alle: Aussteigen. Wir
mussten zu Fuß weitergehen und der Zug fuhr im
Schneckentempo ganz langsam weiter. Es hieß
damals, er sei über einige Blindgänger gefahren.
Es passierte dann aber zum Glück nichts und wir
durften nach einem Kilometer wieder einsteigen.
In Graz angekommen wurden wir an Pflegeeltern
verteilt. Ich erinnere mich noch genau, dass
zwei große warme Hände mich hochhoben, über den
Zaun setzten und eine mütterliche Stimme sagte:
„Die Kleine nehm ih!“ Und weg war ich, getrennt
von meiner Schwester, die ich aber dann in
meiner Nachbarschaft wiedersah. Ich hatte liebe
Pflegeeltern, zu deren Tochter ich noch heute
Kontakt habe. |