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Jugend im 3. Reich
Ergebnisse eines Interviews mit Herrn Behnke (*1921)
Heinrich Behncke wurde 1921 in
Rothenburgsort geboren und wuchs dort in einem Arbeiterviertel auf.
Als Junge ging er in eine Wandergruppe, die sich Bündische Jugend nannte.
Das war eine Möglichkeit, in der Freizeit etwas zu unternehmen, da es so gut
wie keine Freizeitangebote gab. Mit 12 wurde seine Gruppe ohne Befragung vom
Jungvolk/Pimpfe übernommen(1933). Ab diesem Zeitpunkt wurden regelmäßig
Heimabende von "den deutschen Jungen" organisiert, denen man sich nicht
entziehen durfte. Dort wurden Geländespiele vorbereitet und patriotische
Lieder gesungen, um das Gemeinschaftsgefühl zu stärken.
Zur gleichen Zeit wurde der sogenannte Fahnenappell eingeführt. Vor dem
Unterricht musste die gesamte Schule auf dem Schulhof zur Fahnenhissung
antreten und das Horst-Wessel-Lied singen. Ein Teil der Schüler kam in
Uniform zur Schule, das war aber keine Vorschrift.
Im allgemeinen bekamen er oder die Bevölkerung nur sehr wenig von der
Judenverfolgung mit. Zwar sah man kleinere jüdische Geschäfte mit
eingeschlagenen Fenstern oder das große Alsterhaus wurde umbenannt, da der
vorige Name "Tietz", der Nachname des jüdischen Gründers, war, aber von
Deportationen jüdischer Familien oder der Existenz eines KZ´s in Neuengamme,
in dem die Leute bei menschenunwürdigen Bedingungen untergebracht und dann
unwissend vergast wurden, wusste er zur Zeit des 3.Reiches nichts, denn die
Schattenseiten von Hitlers Politik wurden konsequent verschwiegen.
Als er in die Lehre ging und Kaufmann lernte, musste er wie jeder andere
auch seine Pflichten in der HJ nebenbei bewältigen.
Danach war es Pflicht, in den Arbeitsdienst zu gehen. Dort arbeitete man von
morgens bis abends in großen Gruppen, zum Beispiel an Autobahnen. Er half
mit in Ostfriesland, das Emsland trocken zu legen.
1940 wurde er als Sturmschütze an der Ostfront eingesetzt, wo er in vier
Jahren drei mal leicht bis mittelschwer verwundet wurde. Nach ungefähr einem
Jahr Kriegsaufenthalt saß er an einem friedlichen Morgen in der Nähe von
Minsk, am Rande des Stützpunktes, in seinem Patrouillenfahrzeug, als eine
Gruppe gut gekleideter Zivilisten vorbeikam. Die Soldaten hatten auf das
Erkennungszeichen ihrer Division, einen gewölbten Anker, da sie aus Hamburg
kamen, Hummel-Hummel geschrieben. Daraufhin fragte einer der Zivilisten, ob
er aus Hamburg komme. „Vom Rothenbaum“ antwortete er und fragte nach
Zigaretten. Er wollte den Leuten gerade welche geben, als er von der
Wachmannschaft daran gehindert und sofort zur Seite genommen wurde. Er
sollte sich sofort bei seiner Einheit zwecks Bestrafung melden, so hieß es.
Dort erfuhr er dann, dass es sich um deutsche Juden handelte. Ihm wurde auch
gesagt, dass er in der Einheit nicht darüber reden sollte, wenn er nicht
vors Kriegsgericht wolle.
Das war mit 20 Jahren und er meinte, das wäre das erste Mal gewesen, dass er
mitbekam, dass man so schnell Probleme bekam, wenn man mit Juden zu tun hat.
1944, also mit Ende des Krieges, wurde er, wie viele andere auch, in
russische Gefangenschaft genommen. Die gefangenen deutschen Soldaten wurden
zu Tausenden in Güterwaggons in Richtung Osten, zum Beispiel nach
Nowosibirsk, in Arbeitslager gebracht ."Vor allem die Älteren hatten größere
Probleme, mit den herrschenden Umständen zurechtzukommen und sind deshalb
eher daran zugrunde gegangen. Sie mussten praktisch Tag für Tag um ihre
Essensrationen kämpfen."
Nach seiner Entlassung kehrte er zurück nach Hamburg, wo er glücklicherweise
über seinen Onkel direkt den Kontakt zu seiner Familie fand, die zum Teil
notgedrungen wegen Bombardierungen umziehen musste. So konnte er nach recht
kurzer Zeit der Arbeitslosigkeit einen Aushilfsjob auf dem Bau annehmen.
Nach zwei Jahren bekam er endlich eine Anstellung in einem Handelshaus in
der Registratur als Handelskaufmann, wo er sich langsam nach oben arbeiten
konnte und letztendlich erst seit 1992 im Ruhestand lebt.
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