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Das Leben in der Kriegszeit in Danzig
Ergebnisse eines Interviews mit Frau
J.(*1931)
Kriegsbeginn 1939
Meine Großmutter, geboren in Danzig-Langfuhr, in der Nähe des Hafens Neufahrwasser, war zu Beginn des zweiten Weltkrieges im achten Lebensjahr.
Am 1. September 1939 ankerte das Kriegsschiff „Schleswig-Holstein“ im
Hafen (Neufahrwasser), von wo es auch morgens um 5:45 Uhr die ersten Schüsse auf
die Westerplatte abfeuerte.
Auf der Westerplatte befand sich das polnische Militärgebiet.
Wenige Stunden nachdem die ersten Schüsse abgefeuert worden waren, wurden meiner Großmutter und ihrer Familie erst bewusst, dass Hitler Polen überfallen hatte.
Die Familien der polnischen Minderheit in Danzig wurden ab sofort von der SA ins 30 km entfernte Arbeitslager bei Stutthof verschleppt.
Erinnerungen an die Kriegszeit
Ab 1940 musste sie oft die Schule wechseln, da immer wieder Schulen
durch das Militär als Lazarett benutzt wurden.
12.06.1942 begann die Kinderlandverschickung, d.h. Kinder sollten vor den Bombenanschlägen in den Städten geschützt werden.
Die Kinder aus Danzig wurden in einem Schloss des Grafen von Finkenstein (in Ostpreußen) untergebracht. Dort hatten die Schüler einen ganz „normalen“ Tagesablauf.:
Zimmerappell: Stramm vor dem schon vorher gemachten Bett stehen und Kamm und Zahnbürste vorzeigen.
Frühstück
Fahnenappell: Alle mussten sich draußen aufstellen und die deutsche Fahne
am Mast aufhängen.
Jeder musste diverse Lieder oder Gedichte über Hitler singen oder vortragen.
Verschiedene Dienste: z.B. Stubendienst, Blumendienst oder Küchendienst
Bettruhe
1 mal pro Woche frei
2 mal pro Woche Briefe schreiben, diese wurden erst kontrolliert und dann verschickt.
Kriegsende 1945
Januar 1945 war die russische Armee nahe Thorn. Um die Sicherheit der Kinder
zu gewährleisten, sollten alle, auch Frau J., nach Dänemark verfrachtet werden. Eine Trennung von den Eltern kam für sie
aber nicht in Frage. Somit beschloss sie, mit zwei anderen Mädchen aus der
Kinderlandverschickung zu fliehen. Mit viel Glück nahmen deutsche Soldaten, die
gerade auf der Durchfahrt Richtung Danzig waren, Frau J. und ihre beiden
Freunde illegal mit. Nach einer langen Fahrt hielt der Güterzug vor dem Danziger Hauptbahnhof, wo sie dann aussteigen mussten. Schließlich hatten sie noch einen Fußweg von ca. 1 Stunde bis sie am 23.01.
1945 zu Hause ankamen. Frau J.: „Der strenge kalte Winter und der tiefe Schnee blieb mir bis heute noch in Erinnerung“
Zwischen Februar und März 1945 sind Flüchtlinge aus Ostpreußen nach Danzig geflohen. Zu dieser Zeit wurden alle Schulen geschlossen. Die meiste Zeit verbrachte
Frau J. mit ihrer Familie und Nachbarn im Luftschutzkeller, da ein fast ununterbrochener Fliegeralarm stattfand.
Dort wurde gekocht und gelebt und ein „normaler“ Haushalt geführt.
Ende März 1945 ist die russische Armee in Danzig einmarschiert. Zur gleichen Zeit verließen meine Großmutter und ihre Familie den Luftschutzkeller.
Ihr Vater wurde von den russischen Soldaten festgenommen und verschleppt. Sie und ihre Mutter versuchten, in einem anderen Haus unterzukommen. Doch dort wurden sie von der russischen Armee aus dem Keller geschickt. Sie mussten sich alle in einer Reihe auf der Straße aufstellen. Von dort wurden sie unter russischer Aufsicht den Strand entlang nach Zoppot getrieben (8 km Fußweg). Dort wurden alle Frauen in einer Kirche ein paar Tage eingesperrt.
„In dieser Kirche spielten sich furchtbare Dinge ab. Es gab kein Essen und
Trinken und viele Frauen wurden vergewaltigt" so Frau J.
Nach der Freilassung sind sie und ihre Mutter wieder heimgekehrt. Von Weitem sah
Frau J., wie alle Häuser in der Straße in der sie gewohnt hatten, brannten. Ab dieser Zeit waren sie obdachlos und lebten bis 1952 in Danzig bei verschiedenen Bekannten.
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