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Die Erinnerungen einer Polin zum 2. Weltkrieg
Aus dem Gespräch mit meiner Oma (*) über meine Urgroßmutter und deren
Arbeit als Putzfrau bei einer deutschen Familie 1945 in Polen.
Meine Urgroßmutter Hildegarda Suski ist heute 84 Jahre alt. Da sie sich nach
einem schweren Schicksalsschlag im Altersheim in Polen befindet, hatte ich
leider nicht die Gelegenheit mit ihr ein persönliches Interview zu führen.
Welche Erinnerungen hat Oma an die Erlebnisse von Hildegarda Suski von 1945?
Oma erzählt, dass Hildegarda nicht oft darüber gesprochen habe, es scheint,
als habe sie die negativen Erinnerungen verdrängt. Hildegarda hat allerdings
ein eher schlechtes Meinungsbild von den Deutschen.
Woran liegt das?
Oma berichtet, dass sie mit anderen Kindern aus dem Dorf weggebracht wurde
und für reiche Deutsche als Putzfrau arbeiten musste. Sie behandelten
Hildegarda nicht besonders gut und sie durften untereinander auch kein
Polnisch sprechen. Einmal erzählte sie, dass alle polnischen Kinder sich
damals im Keller trafen und dort spielten und sich auf Polnisch
unterhielten. Das war sehr gefährlich, denn wer erwischt wurde, erhielt
harte Strafen, meistens setzte es Prügel.
Welche Arbeiten musste sie bei den Deutschen verrichten?
Hildegarda musste jeden Tag die Stufen wachsen und das ganze Haus auf
Hochglanz polieren. Danach arbeitete sie bei einer anderen Familie, die es
etwas besser mit ihr meinte.
Gab es sonst etwas Wichtiges?
Wie gesagt, redete Hildegarda nicht viel darüber, aber sie hat ab und zu ein
paar Geschichten erzählt. Sie sagte zum Beispiel einmal, dass die Familie,
bei der sie zuerst arbeitete, einen Hund besaß, der bei der Familie nicht
besonders gut behandelt wurde, aber zu ihr nach dem Krieg zurückkehrte. Sie
gaben den Hund der Familie zurück, da sie nicht wollten, dass diese
annahmen, sie hätten den Hund gestohlen. Außerdem erzählte sie auch mal über
ihre Eltern. Der Ururgroßvater war Soldat im zweiten Weltkrieg gewesen, ein
erfolgreicher und angesehener sogar. Als er sich in Italien auf die Insel
Hildegard oder so ähnlich rettete, benannte er deine Uroma danach, weil die
Insel ihm viel bedeutete.
Bei uns in der Familie gibt es ein Ölgemälde von einem
Ausblick auf die Kanäle dieser Insel. Als Erinnerung hat er das Bild
anfertigen lassen und es mit nach Polen genommen. Später starb er aber an
einer Kriegsverletzung. Von ihrer Mutter erzählt sie einen schon sozusagen
,,Familienwitz", den du sicher auch kennst: Zwei deutsche Soldaten wurden
von den Russen gefangen genommen und der russische Offizier wollte deren
Namen wissen. Also fragte er die beiden, wie sie hießen. Sie fragten ihn
,,was?", weil sie kein Russisch konnten. Der russische Offizier trug ein:
Soldat 1: Name: Was. Soldat 2: Name: Bruder
von Was.
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