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Pilot mit 18 Jahren
Erinnerungen an die Jugendzeit im Dritten Reich
Ergebnisse eines Interviews mit Herrn H. Birkholz (*1925)
Meine Familie und damit auch ich wurden von dem ersten Weltkrieg geprägt.
Der Verlust wurde zwar sehr schwer akzeptiert, die Folgen aber als ungerecht
empfunden.
Ziel jeder Außenpolitik sollte eine Stärkung Deutschlands sein, um im Kreis
der Nationen wieder Beachtung zu erlangen. Die Pflege nationaler Gedanken
spielte in Familie, Schule und Vereinen eine große Rolle. Es war eine
andauernde Erziehung zum “Deutschsein“.
Aber was war schon richtig “deutsch“?
Ich wachte eines Tages auf und hörte, es sei Krieg und überall war gespannte
Ruhe, verbunden mit Sorge und Angst. Die ersten Erfolge gegen Polen belebten
das Nationalgefühl so stark, dass von den ersten gefallenen Soldaten kaum
die Rede war.
Aber bald zeigten sich die Kriegsschwierigkeiten. Alles wurde knapp. Vor
allem die Versorgung mit Lebensmitteln, Benzin, Waffen und Munition. Dazu
dann noch die Bombenangriffe auf viele wichtige Bauten, wie Fabriken,
Schulen, Brücken, Straßen und Eisenbahnen. Alle mussten mithelfen, die
Kriegsfolgen auszugleichen. Auch Schüler und Frauen mussten helfen.
Dann mussten die Jugendlichen der Hitlerjugend beitreten, was derzeit alle
in meiner Schule freiwillig und mit Lust taten.
Auch ich, denn nicht dabei zu sein, hätte bedeutet, außerhalb jeder
Gemeinschaft zu stehen. Also trat ich der HJ bei, der Flieger-HJ, und bekam
dort eine vormilitärische Ausbildung. Dafür musste ich allerdings viele
persönliche Opfer bringen.
Ich hatte nämlich sogar sonntags auf dem Flugplatz zu erscheinen. Dazu
musste ich erst einmal 3 bis 4 Stunden mit dem Fahrrad fahren. Den ganzen
Tag lang musste ich Starthilfe geben oder kleine Reparatur- oder
Wartungsarbeiten machen. Die HJ hatte ihre eigenen Ferienlager mit
Flugschulungen. Dort nahm ich an mehreren Kursen und Schulungen teil. Dann
hatte ich auch langsam alle Segelflugprüfungen geschafft. Ich hatte meine
vormilitärische Ausbildung also 1942 hinter mir. Gleich danach bin ich
Soldat geworden. Auf Grund meiner vormilitärischen Ausbildung wurde ich der
Luftwaffe zugeteilt. Dort wurde ich dann intensiv zum Piloten geschult. Die
Ausbildung war erst im Frühjahr 1945 zu Ende, somit hab ich Glück gehabt,
was den Dienst angeht.
Gesellschaftliches Leben gab es in der HJ nicht. Dazu war keine Zeit.
Religiöses Leben gab es für mich nur auf dem Friedhof, wenn wieder ein
Kamerad hinausgetragen wurde.
Doch Anfang 1945 kam der Zusammenbruch.
Die militärischen Strukturen lösten sich auf, jede Ordnung und Versorgung.
Ich marschierte von dem letzten Flugplatz bei Wien an die Oder. Dies dauerte
etwa 10 Tage. Wir hatten uns am Ufer der Oder in Stellung zu begeben, da der
Angriff der Russen jederzeit erwartet wurde, um das restliche Deutschland zu
besetzen. Die Russen aber zingelten uns ein. Dies war ein tiefer
Niederschlag. Die Kampfhandlung schlief in unserem Abschnitt ein. In
endlosen Kolonnen zogen die deutschen Soldaten in Kriegsgefangenschaft.
Auch ich. Wir mussten zu Fuß durch Polen marschieren. Danach wurden wir für
die bevorstehenden Eisenbahntransporte nach Sibirien zusammengestellt.
Nach 3 Jahren, also 1948, kam ich endlich wieder aus der Gefangenschaft nach
Hause.
Dann begann der Aufbau eines Berufes. Es gab jedoch einige Schwierigkeiten
dabei. Geld verdienen und gleichzeitig studieren. Das Studium musste ja auch
bezahlt werden. Gearbeitet habe ich bei einer Spedition. Danach habe ich
eine Schusterfirma geführt. In den Ferien arbeitete ich im Kohlebergbau -
das waren die bestbezahlten Jobs. Studieren und Geld verdienen 1 zu 1.
Studentenbummeln gab es nicht. Die meisten wollten so schnell wie möglich
fertig werden, um endlich richtig Geld zu verdienen. So nebenbei habe ich
auch die Arbeitswelt der einfachen Menschen kennen gelernt. Die "soziale
Frage" führte mich gerade in die Politik. Ich erkannte aber sehr bald, dass
man davon nicht leben kann. Wieder ließ ich mich mit meinem Idealismus
missbrauchen. Für kleine Parteiarbeit konnte ich gut gebraucht werden, aber
die großen Beratungen und Beschlüsse wurden geprägt von denen, die Politiker
von Beruf waren. Ich brachte es schließlich zum Kreisvorsitzenden einer
großen Partei und kam zum ehrenamtlichen Stadtrat. Heute interessiere ich
mich auch noch sehr für Politik, aber Engagement gibt es nicht mehr.
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