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Ende des 2.
Weltkrieges aus der Erinnerung eines Kindes
Dies ist ein Text, den ich mit Hilfe von
Hans-Peter Bornholdt (*1935) zusammengefasst habe. Als der Krieg nach
Hamburg kam ,war er acht Jahre alt und wohnte in Barmbek.
Per Brief und Telefon bat ich meinen Opa mir bei dieser Arbeit zu helfen. Da
er sich sehr für Geschichte interessiert, half er mir bereitwillig und
schickte mir sogar den alten Pass seines Vaters mit.
Sein Vater war Beamter. Dadurch war er 1937 gezwungen in die NSDAP
einzutreten. Nur so konnte er seine Stelle als Beamter behalten. Insgeheim
war er jedoch gegen den Nationalsozialismus. Hans-Peter musste als kleiner
Junge Ausschau halten, dass sich kein „Spion“ an das abgedunkelte Haus
schlich. Er wurde vom Vater strengstens ermahnt, niemandem zu erzählen, dass
seine Eltern mit anderen Personen den Feindsender BBC hörten.
Nachfolgend kommt ein Text von Hans-Peter, wie er ihn mir niederschrieb:
1943 lernte ich durch die Bombenangriffe auf Hamburg den Krieg kennen. Wir
mussten oft in den Luftschutzkeller unter unserem Mietshaus gehen. Da
mussten die Kinder dann nachts bei Bombenangriffen in doppelstöckigen
Holzbetten auf Strohsäcken schlafen, während die Wände von den explodierten
Bomben wackelten. Das erlebten wir in Hamburg- Barmbek. Im Hochsommer 1943
starben in Hamburg in etwa einer Woche 35 000 Menschen.
Nach der ersten Angriffsnacht flohen wir an die Ostsee. Die Menschen saßen
auf den Puffern des Zuges in Nachtkleidung, um der brennenden Stadt zu
entkommen. Mein Vater musste als Beamter in der Stadt bleiben. Er und seine
noch vorhandenen Kollegen verteidigten das Rathaus in Hamburg-Wandsbek noch
einige Tage und Nächte gegen das Feuer, das durch immer neue Brandangriffe
entfacht wurde. Dann brannte das Rathaus ab und mit ihm ein großer Teil
dieses Stadtteils. Dabei kam auch mein Opa um. Eine Luftmiene hatte ihm die
Lunge zerstört, sowie das Reihenhaus, in dem er lebte.
Der für mich schlimmste Luftangriff der Engländer war 1944. Ich war allein
im Luftschutzkeller. Bomben fielen, der Keller wackelte. Es wurde auch eine
britische Bombe über unserem Haus abgeworfen. Sie "orgelte" runter in die
nahen Wiesen. Ich dachte der Himmel käme herunter, lag flach auf dem Boden
und betete zum ersten Mal in meinem Leben.
Kurz vor Kriegsende musste mein Vater zum „Volkssturm“, neben seiner
beruflichen Tätigkeit. Er brachte sein Gewehr mit nach Hause und bekam eine
viel zu kleine Uniform. Er musste auch nebenbei nachts Brandwache leisten,
auf einer großen Schule im inneren Wandsbeks. Einmal ging er nicht zum
„Volkssturm“. Da wollte die „GeStaPo“ ihn früh morgens abholen, weil er
nicht beim Volksturm erschienen war. Aber meine Mutter hat dem Polizisten
erklärt, dass er bei der Brandwache unabkömmlich war.
Im Jahre 1945 wurde ich 10 Jahre alt. Ab dem 10. Lebensjahr mussten die
Jungen zur Hitler Jugend und die Mädchen zum Bund Deutscher Mädchen. Meine
Eltern waren dagegen und schickten mich nicht zur HJ. Weil ich dort nicht
erschienen war, kamen zweimal ältere HJ-Führer, um mich zum Dienst
abzuholen, jedoch gelang es meiner Mutter sie abzuwimmeln. Kurze Zeit danach
waren Krieg und Nazizeit vorbei. |