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Mein Leben in Tschechien von 1943 - 1946
Interview mit meinem Großvater (*1929)
Wie alt warst du 1945? Und wo hast du dich aufgehalten?
Am 19.02.1945 bin ich 16 Jahre alt geworden. Zu der Zeit war ich in
Tschechien.
Warum warst du in Tschechien, wie bist du dort hingekommen?
Ich habe als Junge in Hamburg, in dem Stadtteil Rothenburgsort gelebt. Ich
wurde mit meiner Familie in der Nacht vom 26. auf den 27. Juli 1943
ausgebombt. Zuerst sind wir an der Elbe von einem Dorf zum anderen geschickt
worden, bis wir notdürftig bei Bauern unterkamen. Im September 1943 kamen
wir nach Tschechien, weil mein Vater dort in einer Außenstelle seiner Firma
(Alfred Gutmann) arbeiten durfte.
Wie habt ihr in Tschechien gelebt? Und ging es dir dort gut?
Mir ging es zumindest nicht schlecht. Ich hatte meine Familie bei mir. Ich
habe mit meinen Eltern und meinen fünf Geschwistern in einem Dorf gelebt, in
dem die Firma ansässig war. 1944 wurde meine 15 Jahre jüngere Schwester als
siebtes Kind geboren. Wir wohnten in einem kleinen Häuschen, was nicht jeder
hatte. In dieser Zeit habe ich meine Lehre begonnen.
Was hast du in Tschechien gemacht?
Ich hatte meine Lehrstelle als Maschinenschlosser und habe meiner Mutter
geholfen und mich um meine sechs jüngeren Geschwister gekümmert.
Hattest du dort Freunde?
Naja, eigentlich nicht. Ich habe den ganzen Tag gearbeitet und war abends
müde und kaputt. Wenn ich mal Zeit hatte, habe ich diese gerne mit meinen
Geschwistern verbracht.
Du hast eben erzählt, du hattest eine Lehrstelle. Wie bist du zu deiner
Lehrstelle gekommen?
Da mein Vater bei Alfred Gutmann arbeitete, konnte ich dort auch meine Lehre
beginnen. Also habe ich mit 14, kurz nachdem wir in Tschechien angekommen
waren, meine Lehre begonnen.
Das klingt alles interessant. Was war denn genau 1945? Ist da etwas
Wichtiges passiert?
Ja 1945, also zum Kriegsende, haben Russland und Amerika in Tschechien eine
sogenannte Demarkationslinie ausgehandelt. Im gegensatz zur amerikanischen
Besatzungszone, geriet man auf der russischen Seite in Gefangenschaft. Meine
Familie und ich sind auf die linke Seite, also die amerikanische Seite
gegangen, weil wir natürlich nicht in russische Gefangenschaft geraten
wollten.
1946
Von dort aus wurden wir, weil wir Deutsche waren, mit einem Zug nach
Regensburg geschickt. In Regensburg angekommen, wurden wir von dem
amerikanischen Befehlshaber zurück nach Tschechien geschickt, da wir keine
Ausweisungspapiere hatten. In Tschechien bekamen wir dann unsere Papiere und
fuhren erneut nach Regensburg. Meine ältere Schwester ist dann nach Hamburg
gereist, um eine Genehmigung für die ganze Familie für diese Stadt zu
besorgen. Diese Genehmigung benötigte man, um aus einer amerikanischen
Besatzungszone in eine britische Besatzungszone zu gelangen. So sind wir
dann nach Altona gelangt. Dort habe ich meine Ausbildung beendet und bei
Alfred Gutmann weiter gearbeitet, bis zur Rente. Bis heute lebt meine
Familie noch hier in Hamburg.
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