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Dieser Eintrag stammt von Ann-Christin Münster |
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Hauptsache: Ich
lebe! Ergebnisse
eines Interviews mit Frau Teutenberg, 79 Jahre: "Es
war einfach furchtbar, gerade ist man nach einem anstrengendem Tag und
einer total erschöpfenden Keller-Nacht endlich eingeschlafen, wurde man
auch schon wieder durch den Lärm der Sirenen aufgeweckt. Wir saßen oft
ganze Tage und Nächte in diesem Keller, ohne zu wissen, was oben
passiert. Bei jedem Bombeneinschlag haben wir das Beben gespürt. Fast
jede Nacht verbrachten wir im Keller. Als man am nächsten Morgen wieder
auf die Strasse ging, erkannte man Düsseldorf kaum wieder, als man das
sah, war man nur froh, dass man selbst noch lebte, das war die Hauptsache,
man selbst lebt und das Haus steht noch. Ein
Viertel von Düsseldorf war total zerstört, bis auf die Kellerböden
runter zerbombt. Durch den Druck der Bomben standen vom Rest nur noch die
Außenwände. Vereinzelt waren Häuser auch noch unbeschädigt, doch das
war eher selten. Da
es durch die vielen Zerstörungen kaum noch Schlafmöglichkeiten gab,
haben viele Menschen in einer nahe liegenden Schule geschlafen, wir
schliefen auch dort. Wir lagen wie Heringe auf dem Boden der Turnhalle,
man war nur froh, dass man ein Dach über dem Kopf hatte und mal nicht im
Keller schlafen zu müssen, da es in diesen nicht gerade sehr bequem war.
Ich habe meist neben meiner Mutter gesessen und meinen Kopf auf ihre
Schulter gelehnt, so saßen wir da unten ganze Nächte. Essen
gab es von einem Wagen, für jeden eine kleine Portion, meist gab es
Erbsen- oder Kartoffelsuppe. 1945
bin ich dann zu meinen Schwiegereltern aufs Land gezogen. Meine Eltern
sind in Düsseldorf geblieben. Ich war positiv überrascht, als ich sah,
dass es auf dem Land noch mehr Lebensmittel als in der Stadt gab. Da
in den Städten fast alles zerbombt war, kamen viele Städter aufs Land,
um ihren Schmuck (meist Ketten und Eheringe, die sie immer bei sich
trugen) gegen Lebensmittel einzutauschen. Auf dem Land kannte man keinen
Schmuck, es hatte mal vereinzelt ein Bauer eine Uhr oder einen wertvollen
Ring, aber Schmuck, wie es ihn in der Stadt gab, den kannte man auf dem
Land nicht. Daher begannen die Bauern schwarz zu schlachten, um genug
Tauschmaterial zu haben. In
den Städten ging es langsam wieder bergauf, aus den Trümmern der Häuser
wurden neue, kleinere Häuser gebaut: Sie waren nicht komfortabel aber
wohnen konnte man drin. Man war froh überhaupt überlebt zu haben und
wieder ein Dach über dem Kopf zu haben. Es war nämlich überhaupt nicht
selbstverständlich einen Bombeneinschlag in einem der Nachbarhäuser zu
überleben, wenn man im Keller saß. In den Kellern gab es viele Tote. Die
Frauen haben mitgeholfen, sie haben in den Trümmern nach Töpfen, Besteck
und anderen notwendigen Dingen gesucht, da der Haushalt, durch
Bombeneinschläge nicht mehr existierte. Mein Mann sagte oft, wenn er
gewusst hätte, dass der Aufbau der Städte so schnell ginge, wären wir
in der Stadt geblieben Das
Hungern, welches wir durchleiden mussten war nicht so schlimm, viel
schlimmer war das Sitzen, die Ungewissheit, wo die Bomben einschlagen, die
gerade über einem fliegen, und das Beben des Kellers war einfach
schrecklich. Wurde
das Haus Bekannter zerstört, so hat man überhaupt nicht wahrgenommen,
was diese dabei fühlten, was es für diese Menschen bedeutete. Man hat
dabei nur an sich gedacht und war froh, dass man selbst noch lebt und das
Haus noch steht. Erst spät, wenn man mal wieder stundenlang im Keller saß
und nachdenken konnte, wurde einem langsam bewusst, wie es der Familie
wohl geht. Es war tödlich im Keller zu sitzen und nachzudenken, doch was
sollte man tun? Das
Haus meiner Eltern wurde zum Ende des Krieges durch eine Phosphorbombe
zerstört. Mein
Mann und ich sind auf dem Land geblieben und haben uns dort eine Bäckerei
aufgebaut. Da man mit Geld allein nicht weit gekommen war, hielten wir
uns, ohne irgendwelche Ahnung von Tierhaltung, ein Schwein. Die Bauern,
die das Mehl lieferten, bekamen pro Zentner Mehl 25 5-Pfunds-Brotkärtchen.
Es ging immer weiter es ging immer weiter bergauf und es gab zum Glück auch keinen weiteren Weltkrieg mehr, doch zu dieser Zeit sind die Menschen sehr übermütig." |