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Aufgewachsen in Poznan (Polen), während des
Zweiten Weltkrieges
Ergebnisse eines Interviews mit Frau S. (*1936)
Zu Beginn des 2. Weltkrieges im Jahr 1939
war ich 3 Jahre alt und meine Zwillingsbrüder 2 Monate. Mein Vater hat
deutsche Schulen beendet und konnte somit perfekt deutsch, was uns während
des Krieges geholfen hat. Vor dem Krieg führten wir ein erfülltes Leben. Wir
hatten Geld, ein Haus und ein Dienstmädchen (Frania).
Kriegsausbruch
Als die Polen erfahren hatten, dass der Krieg ausbricht, teilte uns die
Regierung durch das Radio mit, dass Familien nach Warschau (Warzawa)
flüchten sollen. So taten es dann auch meine Eltern. Sie packten unser Hab
und Gut, wie Schmuck, Besteck und Wäsche ein und flüchteten mit uns mit dem
Zug Richtung Warzawa. Jedoch ging die Reise nicht weiter als bis nach Kutno,
weil die Deutschen, Züge, Gleise und Bahnhöfe bereits bombardierten. Es
flogen immer mehr Bomber über uns, deren Geräusch sehr laut und
angsteinflössend war. Dieses Geräusch habe ich bis heute noch im Kopf.
Natürlich verloren wir unser Gepäck mit all unseren Sachen, als wir auf die
Felder, Bauernhöfe oder wo man sich nur verstecken konnte, flohen.
Die Flucht nach Poznan zurück
Da man nicht mehr weiter nach Warzawa konnte, fuhren wir mit Kutschen, wenn
uns ein Bauer mitnahm oder gingen zu Fuß nach Poznan zurück. Bei einem
Flugzeugangriff fehlten plötzlich ein Zwillingsbruder und unser
Dienstmädchen Frania. Die Suche nach ihnen dauerte ziemlich lange, da Frania
aus Erschöpfung auf einem Kartoffelfeld eingeschlafen war. Ein anderes Mal
fiel ihr der Junge aus den Armen auf die Straße, als sie in der Kutsche
eingenickt war. Als meine Eltern dies merkten, fuhren wir angsterfüllt
wieder zurück. Doch zum Glück fanden wir das Kind lebend wieder. Ich ging
mit meinem Vater an der Hand und litt sehr darunter, dass wir kein Wasser
und Brot hatten. Die Armut und der Kampf ums Überleben hatten für uns
begonnen. Eines Tages, wir waren bereits völlig ausgehungert, fingen uns die
Deutschen in einem Bus auf und brachten uns ins Gefängnis in Ostrowo. Den
fürchterlichen Schall von den Türen habe ich noch heute in den Ohren.
Dadurch, dass mein Vater sich mit den Deutschen verständigen konnte, wurden
wir entlassen.
Einquartierung der Deutschen in Poznan
Als wir dann endlich in Poznan ankamen, wurden die Polen aus ihren
Wohnungen vertrieben, oder man quartierte die Deutschen oder Volksdeutschen
in ihre Wohnungen ein. Bei uns quartierten sie eine Charlotte in ein Zimmer
und eine volksdeutsche Frau mit zwei Kindern. Mit diesen Kindern spielte
ich, bis ihre Mutter dies nicht mehr erlaubte und immer „zurück Zimmer“ und
„sprechen deutsch“ zu ihnen sagte. Mein Vater bekam einen Job als
Dolmetscher, somit mussten wir nicht unsere Wohnung verlassen und durften zu
sechs in zwei Zimmern wohnen. Die Küche und das Bad mit lediglich eiskaltem
Wasser mussten wir zu zehnt teilen. Wenn die Deutsche in der Küche oder im
Bad war, mussten wir diesen Raum verlassen. Außerdem musste mein Vater die
Tätigkeiten des Hausmeisters von unserm Mehrfamilienhaus übernehmen. Wenn
man sich mit Straßenbahnen fortbewegen wollte, war der erste Wagon immer
für Deutsche und der zweite, meist überfüllt, für Polen. Überall standen
Dinge auf deutsch und alles war nur für Deutsche, wie Sauna, Schwimmbäder,
Kinos, Parks, Spielplätze und Karussells. Auf den Straßen waren viele
SS-Soldaten und HJ Jungen, die die polnischen Kinder beleidigten, schlugen
und traten. Eines Tages bin ich mit gekauften Waren für Coupons, von denen
man nur eine sehr geringe Menge bekam, wie Rübenmarmelade, Rote Bete
Marmelade, Margarine und fettarme Milch, nach Hause gegangen. Ich hatte
einen selbst gestrickten Mantel an, weil wir Polen keinen kaufen konnten.
Die HJ Jungen schubsten und schlugen mich in den Dreck auf die Straße mit
meinen Einkäufen, die alle kaputt gingen. Verweint und beängstigt lief ich
nach Hause. In dieser Zeit aßen meine Eltern trockenes Brot mit Zwiebeln,
und wir aßen eingetauchtes Brot in Milch und mit Zucker überstreut. Zum
Mittag aßen wir Kartoffeln mit Soße aus Essig und Zwiebeln oder Kürbis mit
Wasser.
Angsterfüllte Nächte
Am schlimmsten waren die Nächte zwischen 22 und 5 Uhr, in denen die
Deutschen die Wohnungen stürmten und die Polen in die Lager schickten. Als
erstes wollten die Deutschen die gebildeten Polen wegschicken. Ich schlief
halb angezogen mit meinem Vater in einem kleinen Bett, denn wir wussten, die
Deutschen könnten auch zu uns in die Wohnung mit ihren Maschinengewehren
stürmen und uns in ein Lager schicken. Die ganz besonders gefährlichen
Nächte verbrachte mein Vater in einem kleinen Häuschen, um uns zu retten,
falls sie bei uns rein kamen; denn dann würden sie uns nichts tun, weil sie
als erstes die gebildeten Leute wollten. Unter unseren Betten und überall
waren bereits unsere Sachen gepackt.
Ist unsere sichere Zeit in der Wohnung zu Ende?
Die Wohnung wurde immer dreckiger und das Ungeziefer vermehrte sich. Wir
versuchten mit Essig zu putzen, weil es natürlich keine Putzwaren gab, doch
das half trotzdem nichts gegen die Tiere. Eines Tages brachten Soldaten eine
deutsche Familie zu uns ins Haus und wollten uns rausschmeißen. Doch da mein
Vater als Dolmetscher arbeitete, hatten wir eine Plakette an die Tür
bekommen, dass sie uns nicht rausschmeißen durften. Leute die man
rausschmiss, brachte man vorerst in Baracken und die Gebildeten gleich ins
KZ.
Ein Familienmitglied kommt ins KZ
Sie fingen meinen Onkel auf, der ein Pfarrer war und brachten ihn ins KZ
Fort 7 in Poznan. Dort sollte er auf Befehl der Deutschen auf Knien im
Schnee die ganzen Tage beten. Vom kalten Beton in seiner Zelle erkrankte er.
Ich weiß noch wie wir ihm seine mit Blut verdreckte Wäsche wuschen. Die
Menschen in den KZ wurden in Kindergruppen, Frauengruppen und Männergruppen
getrennt. Mein Onkel sagte uns, dass die Deutschen nicht einmal vor den
Neu-Geborenen halt machten, sondern sie an den Beine nahmen und an der Wand
totschlugen. Außerdem schickte man die Leute nackt zum Duschen in einen
großen Raum, dabei ließ man nicht Wasser durch die Rohre, sondern Zyklon B
aus Dosen in den Raum, womit die Menschen vergast wurden. Wenn jemand krank
oder erschöpft auf der Pritsche lag, legten die Deutschen sie auf ein
Laufband, das in einem brennenden Ofen endete. Dort verbrannten die Menschen
bei lebendigem Leibe. Mein Onkel war sich bewusst, dass auch seine Zeit zu
Ende gehen würde.
So geschah es dann auch als er später ins KZ Auschwitz gebracht wurde wo er
dann starb.
Der harte Kriegsalltag geht weiter
Am Tag gingen oft die Sirenen los. Bereits nach drei Heultönen sah man
über dem Kopf die Flugzeuge anfliegen, die bestimmte öffentliche Ziele, wie
Krankenhäuser und Kirchen bombardierten. Während die Sirenen liefen, flohen
alle von den Straßen, denn sonst wären sie erschossen worden. Diese Zeit war
sehr schlimm, angsterfüllt und stressig. Klamotten trug ich von größeren
Kindern. Damit wir irgendetwas zum Spielen hatten, machte der Tischler uns
etwas. Meine Oma arbeitete im Garten für die Deutschen, und wenn sie gut
gelaunt waren, gaben sie uns eine Tomate oder Möhre. Meine Mutter ging nicht
für die Deutschen arbeiten und so verpetze die Volksdeutsche, die bei uns
lebte, sie. Meine Mutter musste zur deutschen Arztkommission, um denen zu
beweisen, dass sie herzkrank war. Mit der Zeit gab es immer mehr
Luftangriffe. Einmal wollten sie wohl den Straßenbahn Bahnhof treffen und
verfehlten ihn. Diese Bombe fiel einige Straßen von uns entfernt. Der Krater
war riesig. Man baute viele Betonwasserbehälter, um Feuer zu löschen.
Manchmal sah man dieses schreckliche Schauspiel, dass viele Orte und Häuser
brannten, ganz besonders in den Nächten. Die Brände waren so gewaltig, dass
man sie nicht beschreiben kann. Die Innstadt und Zitadelle brannte besonders
stark, so dass 6 wochenlang dicke Rauchwolken aufstiegen. Die Wände waren 7
Meter dick und gingen so nicht so leicht zu Bruch. In Tagen, in denen die
Bombardierungen den ganzen Tag dauerten, saßen wir hungrig, verängstigt und
erschöpft im schrecklich kalten Keller. Zu essen gab es nur noch Suppe aus
gekochtem Wasser mit Mehl. Man hörte gewaltigen Lärm von den Flugzeugen und
das Geschrei von Menschen. Bei jedem erschüttern von den Bomben, stieg die
Angst, dass auch hier gleich eine einschlagen könnte.
Wird der Albtraum irgendwann enden?
Als wir wieder oben in der Wohnung lebten, zog Charlotte aus. Es zog ein
deutscher Mann ein. Unsere Mutter befahl uns, sehr vorsichtig und nett zu
ihm zu sein. Eines Tages, als er nach Hause kam, stürmten meine 6 jährigen
Brüder zu ihm und rissen an seinem Hakenkreuz am Anzug. Er merkte, dass die
Kinder gehört hatten, dass Deutschland am Kapitulieren war. Er wurde sehr
wütend und war nahe dran, sie zu erschießen. Als meine Mutter weinend um
Entschuldigung für das Verhalten der Kinder bat, hat er sich schließlich
beruhigt. Die Deutschen wollten nicht aufgeben und sich zurückziehen. Doch
wir bekamen Verstärkung von den Russen und drängten die Deutschen immer
weiter zurück. Als der Krieg vorbei war, lagen Leichen von Soldaten und
zivilen Menschen noch wochenlang auf der Straße.
Die Wahrheit ist, dass der 2. Weltkrieg dazu diente, Rassen auszurotten.
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Dies ist das Dokument, das an der
Tür hing und sie vor dem Rauswurf aus der Wohnung schützte. |
Anmeldung bei der polizeilichen
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