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Erinnerungen an die 60er Jahre
Wenn Sie sich zurück erinnern, wann hat für Sie das erste persönliche
Ereignis der 60er Jahre begonnen?
1961.
Und womit?
Naja, damals, als meine Eltern noch lebten, bewirtschaftete mein Vater
einen Bauernhof. Nun, Anfang der sechziger Jahre, gab es einen
Wirtschaftsaufschwung. Da ich 1961 als Werkzeugmacher ausgelernt hatte, und
so einen Industrieberuf hatte, wurde ich schon recht gut bezahlt. Für mich
schien es natürlich unglaublich, wenn ich es mit dem damaligen Lohn meines
Vaters verglich.
So konnten Sie sich auch mehr leisten...
Ja, man konnte sich nun sogar für ein paar Wochen Urlaub gönnen. Mein
Arbeitskollege und ich fuhren nach Süd-Tirol, Italien oder in die Schweiz
mit dem Auto, auf das er einige Monate sparen musste. Früher war das noch
unmöglich. Man benötigte 1962 noch gar keinen Reisepass, sondern nur einen
Ausweis. Das reichte, um über die Grenzen zu kommen.
Haben Sie sich auch mal an gewöhnlichen Tagen etwas gönnen können?
Ja, man konnte sich leisten, für den einen oder anderen Abend
auszugehen. Wir tanzten den Twist der neu in der Mode war, und ließen uns
von der Musik in den Lokalen mitreißen. Die Lokale sahen anders aus als die
heutigen großen Discotheken. Sie waren klein, nicht so überfüllt und oft
spielten kleine Bands live, wozu man tanzen konnte. Abgesehen davon gab es
sehr, sehr viele solcher Clubs.
Die 60er Jahre sind als wilde Zeit bekannt, wie hat sich das geäußert
und auf Sie gewirkt?
Nun, natürlich waren es wilde Zeiten für einige, doch es gehörten ja
nicht alle zu dieser Szene.
Was neu war, waren die Frisuren. Man trug vorher immer ordentlich gekämmtes
kurzes Haar, doch plötzlich schien so eine Art Revolution stattgefunden zu
haben. Die Haare wuchsen, die Musik wurde wilder und die Kleidung schriller.
Das Ganze war nie mein Geschmack, die Beatles hörte ich nicht.
Welcher Hit blieb Ihnen denn am meisten in Erinnerung, wenn Sie zurückdenken?
An eines kann ich mich sehr gut erinnern: "I got you babe" von
Cher. Grund dafür war wahrscheinlich die Geschichte, mit der das Lied
zusammen hängt.
Wann hat sie stattgefunden?
1965. Ich wurde für zwei Jahre zur Bundeswehr eingezogen. Dort musste
man auch Tage und Nächte lang zu acht in einem Zelt wohnen, wo ein
Kanonenofen, aus dem immer schwarzer Rauch kam, stand. Ich hatte damals
meinen ersten Kassettenrecorder mitgenommen (der erste kam 1963 auf den
Weltmarkt) und dazu eine einzige Kassette. Sie lief Tag und Nacht. Immer
wieder wurde sie umgedreht und noch mal abgespielt. Eines der Lieder auf
dieser Kassette, das mir am meisten in Erinnerung geblieben ist, war eben
das Lied "I got you babe".
Können Sie sich an mehr aus der Bundeswehr erinnern?
Ja. Ich kann mich daran erinnern, dass es an der Grenze zur DDR
besonders gefährlich war, so waren wir immer in Alarmbereitschaft, d.h. wir
mussten in der Lage sein, uns in 15 Minuten zur Grenze zu bewegen, um den
Norden zu verteidigen.
Dann kann ich mich noch an eine Aufgabe in der Bundeswehr erinnern. Wir
mussten damals Panzer reparieren. Darunter auch den von Strauß, der mich an
den Tag hat denken lassen, als ich 1962 vor meinem schwarz-weißen
Fernsehbildschirm saß, und sah, wie man über den Strauß-Skandal
berichtete. Diese Panzer liefen nie gut, und hatte man sie repariert, war
schon der nächste kaputt.
Schwach kann ich mich noch an eine drohende Flutkatastrophe erinnern. Wir
mussten eine Woche lang in Alarmbereitschaft sein. Die Truppen sollten
eingesetzt werden, doch zum Glück kam es nicht dazu.
1969 hat die Mondlandung statt gefunden. Wie haben Sie es damals
empfunden?
Ich kann mich daran erinnern, dass die Russen anfangs nur Satelliten ins
Weltall schickten. Der erste hieß Sputnik. Danach schickten sie einen Hund
und die Amerikaner einen Affen ins All.
Erst nach all solchen Versuchen kam dann die Mondlandung. Ich sah im
Fernsehen, wie Neil Armstrong seinen Fuß auf den Grund des Mondes setzte. Es
war ein großer Fortschritt am Ende der 60er Jahre.
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