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Nachkriegszeit in Hamburg
Ergebnisse eines Interviews mit Herrn Werner Withus, damals wohnhaft in Hamburg / Dammtor
Wie sah es in Hamburg nach dem 2. Weltkrieg mit der Nahrung und der
ärztlichen Versorgung aus?
"Schon vor dem Ende des 2. Weltkrieges und noch über 2 Jahre danach war die
ärztliche Versorgung und besonders die Ernährung der Menschen in Hamburg, wie
auch im übrigen Deutschland, mangelhaft bis schlecht. Jüngere Ärzte waren im
Krieg und später evtl. in Gefangenschaft geraten. Medikamente waren nicht immer
ausreichend vorhanden. Schon bald nach Kriegsanfang wurden die Lebensmittel und
Kleidung zugeteilt. Es wurden Lebensmittelkarten eingeführt. Die Rationen wurden
im Laufe der Kriegsjahre und besonders nach Kriegsende immer geringer, so dass
die Menschen immer häufiger sehr hungrig waren und mehr und mehr abmagerten,
manchmal auch wegen der Unterernährung krank wurden. Nur wer Verwandte oder gute
Freunde auf dem Lande hatte, konnte sich hin und wieder etwas zusätzliche
Nahrung besorgen von Bauern. Wir sprachen damals von Vitamin B (B: Beziehungen).
Nach dem Kriegsende konnte man sich, wenn man genug Geld hatte oder auf dem
Tauschwege auf einem der "Schwarzmärkte" etwas zum Essen besorgen.
Man sprach damals von der so genannten "Zigarettenwährung". Es wurde viel mit
amerikanischen Zigaretten gehandelt, wobei 1 Camel 10 RM wert war.
Mein Vater wurde 1944 zur Wehrmacht eingezogen und kam zur Eisenbahnflak. Ein
gefährlicher Job. Doch er überlebte und geriet in englische
Kriegsgefangenschaft, die rund 3 Monate dauerte.
In den letzten Kriegsmonaten
wurde der so genannte Volkssturm aufgestellt. Dafür wurden ältere Männer und
Jungen ab etwa 14 bis 15 Jahren eingezogen. Ich musste mich Anfang 1945 bei der
Kommandantur für den Volkssturm in der Alsterchaussee melden und wurde in der Wandsbeker Kaserne für den Einsatz mit Gewehr und Panzerfaust ausgebildet.
Danach, ein paar Wochen vor Kriegsende, haben mein Freund Wilfried und ich uns
in die Gartenlaube meines Großvaters in der Nähe des Tierparks Hagenbeck
abgesetzt. Wir haben dort bis zur Kapitulation Hamburgs durch den damaligen
Gauleiter Kaufmann am 4. Mai 1945 ausgeharrt. Wir wollten das Kriegsende erleben
und überleben. Ich kehrte zu meiner Mutter zurück.
Als die englischen Truppen in Hamburg
einmarschierten, gab es drei Tage Ausgangssperre. Der grausame Krieg war endlich
vorbei! Es dauerte dann noch etwa drei Jahre, in denen nicht nur die Hamburger
viel hungern und in den harten Wintern frieren mussten. Drei Jahre bis zur
Währungsreform 1948 bis wir pro Person 40 DM (Deutsche Mark) Kopfgeld bekamen.
Das war der Beginn des Neuanfangs. Von da an ging es langsam bergauf..."
Wie war das damals mit dem "Kohlenklau" ?
"Ich habe es selber getan. Echter Diebstahl kam relativ selten vor. Die Strafen
waren sehr hoch bis hin zur Todesstrafe. Die Menschen haben sich damals in den
Notzeiten, besonders bei und nach Bombenangriffen, gegenseitig sehr geholfen. In
der gemeinsamen Not haben die Menschen mehr zusammengehalten. Man nannte das
auch Heimatfront, besonders wegen der vielen Bombenangriffe. Wir haben damals
aus den Ruinen der ausgebombten Häuser Holz, Kohle und auch ein Fahrrad
ausgegraben. Das nannte man „Organisieren“. Dazu gehörte auch besonders im
Winter das Beschaffen von Kohle. Güterzüge, die zwischen den Bahnhöfen Dammtor
und Sternschanze anhielten, hatten offene Wagen mit Kohle, die wir jungen Leute
(auch Frauen und Mädchen) enterten, um ein paar Stücken Kohle zu ergattern, damit wir Essen
kochen und uns aufwärmen konnten."
Wo lebten die Menschen, die nach dem 2. Weltkrieg kein Haus mehr besaßen ?
"Menschen, die durch die Bombenangriffe ihre Wohnungen oder Häuser verloren
hatten, man nannte das auch "total ausgebombt", wurden in der Regel von
Verwandten oder Freunden aufgenommen.
Wer so nicht unterkommen konnte, wurde bei Leuten, die freie Räume hatten,
einquartiert. Hierfür gab es Regeln. So mussten wir als Teilausgebombte einen
Raum von etwa 10 qm zweimal an je eine "ausgebombte" Frau abgeben."
Wie empfanden die Menschen den Tod von Adolf Hitler ?
"Der Tod des Diktators Adolf Hitler am 30. April 1945 durch Selbstmord wurde von
fast allen Menschen in Hamburg, Deutschland und in der ganzen Welt mit
Erleichterung aufgenommen. Die meisten Deutschen wussten bereits 1943, nachdem
die deutsche 6. Armee in der Schlacht um Stalingrad geschlagen und praktisch
vernichtet worden war, dass der Krieg für "Hitlerdeutschland" verloren gehen
musste. Die Folgejahre bis Kriegsende waren weiterhin grausam für alle
Betroffenen. Am Ende waren etwa 20 Millionen Tote zu beklagen. Durch den
Rassenwahn der Nazis wurden in den Kriegsjahren auch Millionen Menschen
jüdischen Glaubens in den Konzentrationslagern grausam ermordet. Der damalige 2.
Weltkrieg, der mit der Kapitulation Japans nach dem Abwurf der ersten Atombomben
auf die Städte Hiroshima und Nagasaki durch die Amerikaner endgültig endete,
wird für alle Menschen ein immer warnendes Mahnmal bleiben, um Frieden in der
Welt zu halten!"
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