|
Stefan T. berichtet über seine 1. Klassenreise nach
dem 2.
Weltkrieg (1946)
Nach dem 2. Weltkrieg, der viele Tribute forderte, lag Hamburg, wie viele
andere Städte auch, in Trümmern. Gerade deshalb war die erste Klassenreise
ein besonderes Erlebnis für mich. Als es im Sommer 1946 endlich soweit war
und ich meine erste Klassenreise antrat, war ich 12 Jahre alt.
Die Reise führte mich und meine Klassenkameraden für 2 Wochen nach Sylt.
Unsere Eltern waren froh, dass wir Kinder damals etwas anderes zu sehen
bekamen als die Trümmer, die der 2. Weltkrieg hinterlassen hatte. Das
Schullandheim, in dem wir diese 2 wunderbaren Wochen in den Sommerferien
verbracht hatten, wurde durch Spenden unserer Eltern und Lehrer finanziert.
Dieses war im Laufe der Jahre von einem Hotel zu einem Schullandheim
umfunktioniert worden, an dem später sogar noch Gebäude angebaut wurden.
Unsere Klasse war ein Teil der Bismarck-Schule. Eine Schule, die Schüler aus
mittelständischen Verhältnissen beherbergte. Der normale Unterricht zu
dieser Zeit war eher streng und Leistungs-bezogen. Daher bot die
Klassenreise eine gelungene und angenehme Abwechslung zum Schulalltag.
Hier war die Atmosphäre locker und gelassen. Obwohl wir auf der Klassenreise
auch Unterricht hatten, merkte man trotzdem den Unterschied. Besonders wurde
der Zusammenhalt gestärkt. Dieser verwirklichte sich nicht nur zwischen
Klassenkameraden, sondern auch unter Schülern und Lehrern.
Gleichzeitig lernte man auch die Partner des jeweiligen Lehrers, wodurch
eine familiäre Atmosphäre geschaffen wurde. Von der britischen Besatzung,
die dort ansässig war, erhielten wir sogar Lebensmittel und kleine Präsente,
da unser Heimleiter eine gute Beziehung zu den Briten pflegte. Dank unserem
Lehrer, der ein Organisationsgenie war, wurden schon vor unserer
Klassenreise Lebensmittel in der Schule gelagert, die wir dann zusätzlich
auf Sylt zur Verfügung hatten.
Gerade für diejenigen von uns, die aufgrund der damaligen Lage kaum etwas zu
essen bekamen, war diese Reise ein wahres Paradies, denn die
Lebensmittelausgabe war durch Lebensmittelkarten stark beschränkt. Im
Allgemeinen hatten wir einen geregelten Tagesablauf, der durch Ausflüge über
die Insel, Geländespielen in den Dünen, Klassenunterricht sowie den
Mahlzeiten geprägt war.
Vor jeder Mahlzeit sollten wir uns, in Klassen sortiert, aufstellen. Hierbei
wurde zunächst einmal überprüft, ob alle Schüler anwesend waren, woraufhin
die Verteilung der Post erfolgte, worüber sich alle sehr freuten. Aufgrund
dieser Erlebnisse, freuten wir uns jedes Jahr wieder auf die anstehende
Klassenreise nach Sylt.
Eines der besonderen Erlebnisse, an das ich mich auch heute noch gut
erinnern kann, war die Rückfahrt von Sylt nach Hamburg. Wie auf dem Hinweg,
legten wir die Strecke mit Bus und Bahn zurück. Auf der Rückfahrt kam es zu
einem heftigen Unwetter, welches aus Donner und Blitzen bestand.
Besonders diese erste, aber auch alle darauf folgenden Klassenreisen waren
erlebnis- und abwechslungsreich und ich blicke heute noch gerne auf die
Klassenreisen und meine generell sehr positive Schulzeit zurück. Zudem
trifft sich unsere Klasse auch heute noch einmal jährlich. Bis zum letzten
Jahr war sogar noch unser Klassenlehrer immer mit dabei welcher jedoch
letztes Jahr verstarb. |