Dieser Eintrag stammt von Moritz Manhart (*1990)

Die schweren Zeiten nach dem 2. Weltkrieg
 Niederschrift eines Interviews mit Herrn K.  (*1947)

Diese Erinnerung ist die Geschichte, die Herr Manhart in der Nachkriegszeit miterlebt hat.
Er ist aufgewachsen in den Hansestädten Hamburg und Bremen und wohnte abwechselnd bei seinen Eltern und Großeltern.

Er berichtete zu diesem Thema folgendes:

Schlechte Wohnsituation
„Ich bin direkt in die Nachkriegszeit hineingeboren. Ich lebte in ärmlichsten Verhältnissen mit meiner Mutter. Mein Vater war noch in der Kriegsgefangenschaft.
Da es in Hamburg keinen Wohnraum für uns gab, weil durch den 2. Weltkrieg die meisten Häuser zerstört waren, zog meine Mutter nach Bremen zu meinem Großvater, väterlicherseits.

Dort lebten wir ein halbes Jahr in einer Zwei-Zimmerwohnung, die noch der Rest eines Hauses war, das während des Krieges bei einem Bombenangriff zur Ruine wurde.“

Eltern waren auf die Hilfe der Kinder angewiesen

„Als mein Vater aus der Gefangenschaft kam, zogen wir in eine Gartenparzelle vor dem Deich an der Weser. Wir hatten, wie viele, kein fließendes Wasser und nur einen Kohleofen. Ich war damals fünf Jahre alt. Das Wasser musste mit einem Handwagen von einem nahe gelegenen Bauernhof geholt werden. Kohle besorgten wir von einem weit entfernten Kohlenhändler.“

Gefährliches Spielen für Kinder

„Gespielt wurde auf den Straßen mit Murmeln, und in den Ruinen. Auch in Bunkern spielten wir und fanden Restmunition aus dem Krieg. Ich hörte, dass viele durch diese Funde Unfälle erlitten haben, teils mit tödlichem Ausgang. Eltern und Lehrer warnten uns ständig davor, solche Funde anzufassen.“

Finanzielle Situation
„Wir lebten noch lange in ärmlichen Verhältnissen und meine Mutter musste mit ihren Mitteln genau kalkulieren. Zu essen gab es fast nur Suppen, selten Fleisch. Zum Glück hatten wir einen kleinen Garten und konnten etwas Gemüse und Kartoffeln ziehen.
Taschengeld verdienten wir uns durch Sammeln von Alteisen und Bleirohren, die wir aus den Ruinen holten und beim Schrotthändler verkauften: Für 1 kg Eisen gab es 5 Pfennige, 1 kg Blei brachte 11 Pfennige ein. Kleidung wurde immer wieder geflickt und von großen Kindern an kleine Kinder weitergegeben.“

Die Nahrungsbeschaffung

„Supermärkte gab es noch nicht, nur ein paar kleine Einzelhändler. Viele Händler kamen mit Pferd und Wagen und boten ihre Waren an. Sie hatten Handglocken und riefen laut. So gab es Kartoffel-, Milch-, Käse- und Eier- und Fischhändler.

War es in den frühen fünfziger Jahren noch ein ziemlich karges Leben, so begann doch dann der Aufschwung und die besseren Zeiten.“