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Unser
Freizeitvergnügen in den Jahren 1948 bis ca. 1952
Mit dem eigenen Kanu auf Alster und Elbe
Mit der Währungsreform im Juni 1948
änderte sich schlagartig das Leben. Zwar gehörten die Lebensmittelmarken
nicht sofort der Vergangenheit an, aber mit Kleidung, Schuhwerk oder anderen
Dingen des täglichen Lebens waren die Läden und Kaufhäuser plötzlich voll.
Was fehlte war oft das Geld.
Ich war zu der Zeit bei der Post, im größten Postamt der 3 Westzonen,
beschäftigt, dem Postamt Hamburg 1. Im Klartext hieß das: ich verfügte über
ein festes Einkommen und wohnte überdies noch bei den Eltern.
Welcher Teufel mich damals geritten hat, mir ausgerechnet ein Kanu auf der
Alster zu kaufen, kann ich heute nicht mehr begründen. Meinen Eltern war das
nicht so recht. Es wurde in der damaligen Zeit nicht für notwendig erachtet,
auch einmal etwas durchzusprechen, was im gemeinsamen Interesse der Familie
war. Im übrigen möchte ich an dieser Stelle daran erinnern, dass man damals
erst mit 21 Jahren mündig war und eigene Entscheidungen treffen durfte.
Ich war zwangsläufig schon eigenes Denken und Handeln gewohnt. Schließlich
hatte ich während der Kinderlandverschickung in Ungarn 1943 und im Jahre
1944 als Luftwaffenhelfer auch niemanden bei mir, den ich hätte um Rat
fragen können.
Ich habe zwar direkt an der Alster das Licht der Welt erblickt und bin
direkt an der Elbe groß geworden, aber ob das als Begründung/Entschuldigung
ausreicht, weiß ich nicht so recht. Jedenfalls hatten wir ein Kanu. Unter
fachgerechter Anleitung haben meine damalige Freundin, spätere Verlobte und
heutige Frau, übrigens seit 60 Jahren, das gebrauchte Boot auf Vordermann
gebracht und wieder der Benutzung zugeführt.

Paddelspaß auf der unruhigen Elbe
Wir waren, schlicht und einfach gesagt
Neulinge. Außer unserer Liebe zum Wasser zeichnete uns nichts aus, diesen
Sport auszuüben. Aber mit den Augen stehlen ist ja auch heute noch erlaubt.
Im übrigen fanden wir sehr schnell Anschluss an Gleichaltrige, mit denen wir
in der Folgezeit sehr viele Unternehmungen gestartet haben und die uns im
Anfang sehr behilflich waren.
Unsere Bootslagerung lag gleich hinter dem Feenteich. Der Weg auf die Alster
war also sehr kurz und so haben wir Schritt für Schritt den Weg
zurückgelegt, um mit den Profis Takt halten zu können. Ein Wochenendausflug
mit Kanu und Zelt ging immerhin vom Feenteich bis ins Alstertal nach
Poppenbüttel. Dort, wo heute schmucke Villen und andere Einfamilienhäuser
stehen, war damals noch eine einzige Grünfläche, die zum Zelten einlud. Und
gearbeitet haben wir 6 oder 7 Tage die Woche, also auch an Sonnabenden bis
mittags. Meine Woche bei der Post sah sogar so aus, dass ich sieben Tage
arbeiten musste. Vier Mal Spätdienst von 13-23.30 Uhr, einmal Frühdienst von
7-13 Uhr und einmal Nachtdienst. Und schon war die Woche herum. Also ein
freies Wochenende war ein sehr seltenes Erlebnis, um solche Fahrten, wie
beschrieben, auszuführen. Aber wir waren trotzdem fröhlich.
Wenn ich im Sommer aus dem Nachtdienst kam und Wetter und Temperatur es
zuließen, habe ich unser Kanu herausgeholt und meinen Schlaf auf der Alster
nachgeholt. Hin und wieder wurde ich dabei auch von neugierigen Schwänen
geweckt. Autoverkehr und Stadtlärm damals: gleich null.
Wenn das Wetter stimmte und die Tide auch, fuhren wir auch auf die Elbe
hinaus, zur Elbinsel Schweinesand, in Paddlerkreisen auch Ferkelkies
genannt. Mit ablaufendem Wasser ging es an den Landungsbrücken vorbei, wobei
die Ufer noch von durch Bomben getroffenen und gesunkenen Seeschiffen
gesäumt waren. Bei Hochwasser war Vorsicht geboten, weil die Wracks dann
nicht sichtbar unter Wasser lagen.
Auf der Insel angekommen, mussten die Boote ausgepackt und Gepäck und Boote
hochwasserfrei gelagert werden. Dann wurden die Zelte aufgebaut. Grillen war
noch nicht erfunden, aber satt geworden sind wir auch. Stattdessen haben wir
ein Lagerfeuer mit Treibholz aus der Elbe angezündet, erzählt von dütt und
datt und auch gesungen, wenn eine Gitarre dabei war. Auch Jazz aus dem
Kofferradio trug zu unserer Unterhaltung bei.
Am nächsten Tag ging es dann mit dem auflaufenden Wasser zurück nach Hamburg
auf unsere Alster. Am Bootshaus angelangt, waren wir müde und kaputt, aber
glücklich. Und das war für die damalige Zeit auch schon etwas.
Unsere Wochendfahrten waren fast immer Gemeinschaftsfahrten und geprägt vom
Gemeinschaftssinn. Irgendwer hatte immer etwas, was der andere nicht hatten.
Und dann wurde eben geteilt. In Poppenbüttel auf der Alsterwiese, - heute
stehen dort große Villen, - waren viele Zelte der Paddler aufgebaut. Es
herrschte ein fröhliches Treiben. Politische Gespräche waren nicht angesagt.
Es war keine besondere Absprache, aber es war eben so. Gelegentlich fuhren
wir auch auf die Oberelbe. Dann war wieder harte Arbeit angesagt. Die
Entfernungen zu den ersten Zeltmöglichkeiten waren sehr groß. Mindestens bis
zur Bunthausspitze. Das ist dort, wo sich Norder-und Süderelbe trennen.
Eine wichtige Sache war die Verpflegung. Auch nach der Währungsreform gab es
für Lebensmittel noch Karten und die freie Abgabe war in den einzelnen
Bundesländern noch sehr unterschiedlich. Was man in Niedersachsen womöglich
ohne Karten bekam, war in Hamburg oder Schleswig-Holstein nicht möglich oder
umgekehrt. Im freien Handel gab es damals australisches Pferdefleisch in
Dosen oder auch Horse-meat genannt. Ein köstliches Mahl und bei den Paddlern
sehr beliebt.
Die nächste Schwierigkeit war der Besitz eines Zeltes. Auf unserer ersten
geplanten Urlaubsfahrt bekamen wir durch die Vermittlung meines Vaters ein
weißes Zelt von einer Marktgroßhändlerin geliehen. Ohne große Prüfung haben
wir es verstaut und es hat uns auch gute Dienste geleistet bis zu dem Tag,
als es das erste Mal regnete. Meine Freundin und ich waren gerade am
Pfannkuchenbacken, als es in der Pfanne anfing, so merkwürdig zu zischen.
Der Regen kam als Wasserstaub durch das Zelt. Oh`Schreck, es war nicht
wasserdicht und wie wir später erfuhren, auch nie wasserdicht gewesen.
Dieses Zelt hatte besagter Dame vor dem Krieg als Sichtschutz beim Umkleiden
an der Ostsee gedient.

Unser wasserdurchlässiges Zelt
Später gelang es mir dann, von einem älteren Kollegen und ehemaligen Paddler
ein richtiges Zelt zu erwerben. Er war Junggeselle und ein netter Kollege,
aber manchmal auch ein wenig verschroben.
Als ich es abholte, bekam ich eine Menge Verhaltensregeln mit auf den Weg.
Und er hat es wenig später sogar geschafft, uns auf einem unserer Rastplätze
aufzusuchen, um die ordnungsgemäße Behandlung seines ehemaligen Zeltes in
Augenschein zu nehmen. Seppl Hopf, ein Eimsbütteler Jung, wir werden ihn
immer in guter Erinnerung behalten. Jedenfalls war das Zelt große Klasse und
hat so manchen Paddler in der damaligen Zeit ein wenig neidisch werden
lassen. Es war halt Vorkriegsware, ein damals gern benutzter Ausspruch für
Qualität.
Die Geesthachter Staustufe und die Schleuse gab es damals noch nicht.
Entsprechend urig waren die Ufer der Elbe damals. Herrliche Badestrände
zwischen den Buhnen.
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Vorbereiten einer Mahlzeit. Einer
arbeitet, zwei gucken zu
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Auf Vatertagstour, diesmal mit
Motor |
Wenn wir Glück hatten, trafen wir auf
einen Schleppzug mit bis zu 7 großen Oberländer Kähnen im Schlepp. Sie waren
vollkommen aus Holz gebaut und ohne eigenen Antrieb. Der Schleppdampfer, der
noch mit Dampf betrieben wurde, war ein riesiges Gebilde. Etwa 20 Heizer
zählten zur Besatzung, die die hungrigen Kessel unter Druck hielten.
Das Beiboot des letzten Kahns war immer das Ziel unserer Wünsche. Wenn es
uns gelang, daran festzumachen, hatten wir gewonnen. Unsere Muskelkraft
wurde geschont.
Im Schlepp eines Schleppzuges Richtung
Geesthacht
Gefährlich wurde es nur, wenn „Hugo Basedow“ oder eines seiner
Schwesterschiffe auftauchte. Es waren große Schaufelraddampfer, die den
Passagierdienst und Gütertransport zwischen Hamburg und Lauenburg versahen.
Sie hatten einen Fahrplan einzuhalten und waren entsprechend schnell und
warfen hohe Wellen. Sehr zu unserem Leidwesen, denn wer nicht so gut mit
seinem Boot umzugehen verstand, musste seine Verbindung zum Beiboot lösen,
um nicht von den Wellen umgeworfen zu werden. Auch wenn Eigenlob stinkt,
aber wir mussten nie loswerfen. Es war halt etwas anderes, als auf der
lammfrommen Alster zu paddeln und sich dem Müßiggang oder anderen netten
Dingen hinzugeben. Viele Kissen im Kanu, ein Kofferradio, Kaffee und Kuchen
und natürlich eine Freundin gehörten selbstverständlich dazu - auf der
Alster!
Auch wenn wir wenig Bares hatten, eine schöne Zeit war es trotzdem und wir
haben sie sehr genossen.
Eines der mit uns befreundeten Ehepaare, sie waren aus der DDR geflohen,
hatten zeitweise nur ihr Kanu als Wohnung oder Unterkunft. Als ich dann 1951
bei meinen Eltern auszog, durften sie in mein Zimmer einziehen. Dies zu
bewerkstelligen war gar nicht so einfach, denn meine Eltern wohnten in einer
Dienstwohnung der Hansestadt. Und wo der Staat seine Finger drin hat, ist es
immer kompliziert. Aber wir haben es hinbekommen.
Auch Vatertagstouren standen auf dem Programm. Am besten mit einem Eigner,
der auch schon einen Außenbordmotor hatte. Die Benutzung auf der Alster war
auch damals schon verboten und wurde streng überwacht von der
Wasserschutzpolizei.
Aber es wurde nicht nur gepaddelt, es wurde auch gehandelt. Unser erstes
Kanu war schnell, aber auch schlank. Das missfiel uns. Ich verkaufte das
Boot zu einem guten Preis an einen Anfänger. Danach hatten wir für kurze
Zeit einen echten Kanadier mit Zertifikat. Er hatte sogar formschöne
Luftkissen an den Seiten. Er war unsinkbar. Aber ein schickes Alsterkanu war
es immer noch nicht. Das erstanden wir danach.
Beim Wassersport sind wir geblieben, 52 lange Jahre. Mit wachsender Familie
mussten die Schiffe größer werden. Aber das ist ein anderes Kapitel.
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