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Meine Zeit nach dem Krieg in Hamburg
Ergebnisse eines Interviews mit Herrn M.
Nach dem Krieg war ich als
Kriegsgefangener bei den Engländern. Ich war Luftwaffensoldat gewesen und kam
aus Oberschlesien. Als die Engländer im Gefangenenlager nach Freiwilligen für
Arbeiten in Hamburg suchten, meldete ich mich, da ich meine Chance sah, in
Hamburg zu studieren. So kam ich dann als Ex-Luftwaffensoldat in die
Stuhlrohrfabrik nach Hamburg-Bergedorf. Hier arbeitete ich in der Kantine,
die ein Stück weit entfernt lag.
Während des Krieges hatte die Stahlrohrfabrik als Depot für
Ausrüstungsgegenstände für Flugzeuge gedient. Diese Waren wurden nun unter
den Siegermächten verteilt. Hierbei wurden alle Gegenstände ausgepackt und
von den Engländern sortiert und den Siegermächten zugeordnet. Was nicht an
die Siegermächte ging, wurde verbrannt - ein Jammer, wie viele von uns dachten,
da an solchen Gegenständen wie Linealen und ähnlichem, ein Mangel herrschte.
Auffallend war, wie mit den Gegenständen umgegangen wurde: Waren für die
Engländer wurden behutsam angefasst und verpackt. Die Gegenstände der Belgier
beispielsweise wurden aus der Luke aus mehreren Metern Höhe geworfen. Zu
diesen Waren zählten auch wertvolle Röhrengeräte. Aber das interessierte die
Engländer nicht. Schließlich waren es ja nicht ihre Waren! Aus einigen der
Gegenstände, die nicht verteilt wurden, wie zum Beispiel Plexiglasscheiben,
stellten einige der Arbeiter Kunstgegenstände her.
1946 gab es eine Zuzugssperre für
"Nichthamburger", die nach Hamburg ziehen wollten. Verständlich, da
doch der größte Teil der Wohnungen zerstört war.
Nichthamburger, zu denen ich seinerzeit gehörte, konnten sich von der
Zuzugssperre befreien, wenn sie sich verpflichteten in einem
"Mangelberuf" zu arbeiten. Nur dann bekam man die
Lebensmittelkarten.
Als ich mich im November 1946 nach der
Entlassung von einer englischen Arbeitseinheit bei der Disarmament and
Disposalgroup der Royal Air Force beim Arbeitsamt meldete, fragte der
Sachbearbeiter mich, was ich denn arbeiten könne. Meine Antwort: "Als
Abiturient habe ich noch keinen Beruf und möchte studieren". Daraufhin
klärte der Sachbearbeiter mich sehr bestimmt auf: "Wir müssen erst
Hamburg aufbauen." Die Kapazität der Uni sei noch nicht 100%ig und
reiche nicht einmal für die jungen Hamburger aus. Wenn ich in Hamburg die Zuzugsberechtigung
haben möchte, müsste ich in einem "Mangelberuf" arbeiten. Das waren
die Bau- und die Land- und Forstwirtschaft.
Ich wollte eigentlich Elektrotechnik studieren und fragte, ob es denn keinen
technischen Beruf gäbe, in dem ich arbeiten könnte. Er meinte nur:
"Einen technischen Beruf kannst du dir ja später suchen."
Im November war für die Bau- und die Landwirtschaft Frostpause angesagt. Also
vermittelte er mich in die Forstwirtschaft.
Am folgenden Montag stand ich um 6.30 Uhr an der heutigen Kreuzung Am
Brink/Wentorfer Straße. Ein offener engl. Armee-Lkw brachte uns nach Wotersen
in den Hirschpark. (Das Schloss wurde durch die Fernsehserie Schloss
Guldenburg bekannt.) Hier begann die Karriere als Holzfäller.
Die letzten Mitarbeiter in der Holzfäller-Firma erhielten das "letzte
Werkzeug": stumpfe Axt und Handkerbsäge. Wir mussten Bäume für die engl.
Besatzungsmacht fällen. Graf Bernsdorff ließ verständlicherweise nur das
minderwertige Holz fällen, also Bäume bis 30 cm Durchmesser. Wir stapelten
das Holz zum Schichtende in Meterstapel auf. Bezahlt wurde nach gestapelten
Raummetern. Von dem relativ kargen Lohn habe ich mir die Axt und die Säge von
einem aufsichtführenden Waldarbeiter schärfen lassen.
Wenn wir zum Monatsende die mit der Besatzungsmacht vereinbarte Menge nicht
erreichten, haben die Waldarbeiter eine der riesigen, uralten Buchen gefällt.
Nebenbei habe ich mich um eine Arbeitsstelle in einem technischen Beruf
bemüht, der ebenfalls als "Mangelberuf" anerkannt wurde, und bin in
einen Elektromaschinenbau-Betrieb gewechselt.
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