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Dieser Eintrag stammt von Thomas Wiese |
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Reisen
nach 1950 Ergebnisse eines Interviews mit Frau W. geb.1955 Wann
sind Sie das erste Mal in den Urlaub gefahren? In
Brodau hatten wir dann aus heutiger Sicht eine Bretterbude als Domizil. Für
damalige Verhältnisse war es aber wohl eher Luxus. Von dort aus haben wir
auch Ausflüge gemacht. Da wir nur den kleinen Motorroller hatten, musste
mein Vater uns immer "ratenweise" hinfahren. Und
wie sah es in den folgenden Jahren aus? Wohin
sind Sie gefahren? Es
war zwar sehr wenig Platz für 6 Leute, aber dafür waren wir glücklich in
ein Ferienhaus am Meer fahren zu können. Die Ausstattung des Hauses war
sehr einfach, inklusive Plumpsklo und ausschließlich kaltem Wasser. Im
Jahre 1959 oder 1960 sind wir wieder nach Dänemark gefahren an die Nordküste
auf einen Bauernhof. 1961
oder 1962 sind wir wieder nach Dänemark gefahren. Dieses Mal nach Skagen
zum Campen. In
Skagen hatten wir nur Regen. Unser Zelt war sehr klein, so dass andere
Camper vermuteten, wir hätten einen Keller, da sie nicht wussten, wie die
ganze Familie in diesem kleinen Zelt Platz finden sollte. Jedenfalls regnete
es ununterbrochen und meine Mutter brach den Urlaub gegen den Willen meines
Vaters ab und wir fuhren nicht mehr in den Norden. 1963
oder 1964 ging es dann nach Schlitters in Österreich. Wir haben wieder
gecampt. Aber wir hatten ein neues Auto, nämlich einen Renault R 10. Von
Schlitters aus haben wir viele Ausflüge gemacht, es war ein schöner
Urlaub. Meine Mutter hatte wieder Probleme mit den Wetterverhältnissen und
überzeugte meinen Vater davon ab jetzt nur noch weiter in den Süden zu
fahren. 1965
und die Jahre danach sind wir dann immer nach Jugoslawien gefahren. Es war für
uns das erste Mal richtig in der Sonne. Aus welchem Grund auch immer gerade
Jugoslawien, vielleicht weil mein Vater Sozialdemokrat war und vielleicht
lieber Kommunist geworden wäre. Jedenfalls stand ihm Tito sehr nahe und er
erfüllte meiner Mutter den Wunsch, weiter in den Süden zu fahren. Wir
fuhren dann nach Novi und hatten schon nach einer halben Stunde einen
Sonnenbrand. Wir fanden einen riesigen Zeltplatz. Wir stellten fest, dass
alles billiger war als daheim und so fühlten wir uns wie Könige. Fortan
sind wir nur noch nach Jugoslawien gefahren und die Autos wurden auch immer
besser. Konnten
sich das auch andere Familien leisten? Nach
Amerika zu fahren war für Sie damals kein Thema? |