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Dieser Eintrag stammt von Raisa Kerz |
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Familien
1950/60
Ich
habe Frau W. am 15.11.2000 zum Thema Familien 1950/60 befragt. Sie wurde
1945 in Bergedorf geboren. Damals war sie 12 Jahre alt. Heute ist sie frühzeitige
Rentnerin; vorher arbeitete sie im Krankenhaus. „Zu
der Zeit lebten wir bescheidener als heute. Man wohnte in einer 1 ½ oder
2 ½-Zimmerwohnung (ca. 56 m² ), was zu der Zeit sehr viel war, da zu der
Wohnung auch ein Balkon gehörte. In der Wohnung hatten wir z.B. an Möbeln
Cocktailsessel und Nierentische; wir hatten kein Sofa, nur eine Liege und
Sisalteppiche. In der Küche war eine Speisekammer, wo es kühler war. Wir
hatten auch einen Küchenschrank, einen Tisch mit Schubladen und nur Schüsseln
zum Abwaschen. Um Wäsche zu waschen, wurde sie einmal in der Woche
zusammengetragen und mit der Hand gewaschen. Zum Heizen gab es in den älteren
Wohnungen noch Öfen. Das Auto wurde mit einer anderen Familie zusammen
geliehen, um mal wegzufahren. Es
arbeiteten nur die Männer. Saisonmäßig auch mal die Frauen wie zu
Ostern oder zu Weihnachten, sonst waren sie nur Hausfrauen. Es wurde
teilweise auch Heimarbeit gemacht, wie Pläne falten oder Schuhsohlen
zusammenbinden. Zum
Essen gab es einmal die Woche einen bestimmten Betrag, der dafür
ausgegeben werden durfte. Wurde dieser vor Ende der Woche überschritten,
lebten wir ausschließlich von Suppe. Auch sonst war der Tisch nicht so
reichlich gedeckt wie heute. Es gab mal Wurst oder Käse und ab und zu
Bananen oder Apfelsinen. An Obst stand nur das zur Verfügung, was es in
Deutschland gab. Sonst wurde alles selbst gebacken und gekocht, da es
anders viel zu teuer gewesen wäre. Kleider
wurden auch alle selber genäht. Im Gegensatz zu dem Kleiderzwang, der
heute fast überall herrscht, waren wir froh, dass wir genug zum Anziehen
hatten. Auch war die Erziehung zu der Zeit anders: Es wurde mehr darauf geachtet, dass die Hausaufgaben gemacht wurden und erst dann durfte man nach draußen und dies auch nur so lange, bis es dunkel wurde. Nachmittags gingen wir viel spazieren oder wir haben uns besucht und Spiele gespielt. Mal gingen wir auch ins Kino, wenn der Film für Jugendliche freigegeben war. Sport war der gleiche wie heute, nur dass z.B. Tennis eher was für Reichere war. Es wurde mehr in Turnvereinen Sport gemacht. Wichtig
war auch,
dass man zu Erwachsenen und Fremden immer höflich war. Beim Taschengeld gab es auch gravierende Unterschiede: Wenn wir artig waren, dann bekamen wir mit ca. 12 Jahren 2 DM die Woche. Dies war sehr wenig im Gegensatz zur heutigen Zeit. Um mehr Geld zu bekommen, mussten wir Hausarbeiten verrichten. |